Die Hölle friert zu: Deutsches Fintech hat erstmals eine Filiale eröffnet

Dass Banken ihre Online-Aktivitäten ausbauen und Filialen schließen, ist nichts Ungewöhnliches. Dass ein Fintech-Startup eine Filiale eröffnet, ist dagegen bemerkenswert.
Finanzcheck.de gehört neben Smava und Check24 zu den größten Kreditvermittlern in Deutschland und hat vor zwei Jahren immerhin weitere 33 Millionen Euro Investorengelder eingesammelt. Das seit 2012 existierende Unternehmen bietet neben dem Kerngeschäft als Kreditvermittlungsportal für Endkunden auch Softwarelösungen und Kreditvermittlung auf White-Label-Basis.

Finanzcheck.de berät in bester Hamburger Innenstadtlage

Seit einigen Monaten gehen die Hamburger aber offenbar einen Weg, der für ein Fintech ungewöhnlich ist: Sie haben ein Ladengeschäft in bester Hamburger Innenstadtlage (Bleichenbrücke) eröffnet. „Wir haben festgestellt, dass es viele Kunden gibt, die das persönliche Gespräch suchen. Wir haben dann angefangen, Kunden hier in unseren Hamburger Büros zu empfangen – was aber irgendwann einfach zu viel geworden ist. Immer öfter waren Konferenzräume besetzt, weil darin Beratungsgespräche stattgefunden haben. So kam die Idee, eine Filiale zu eröffnen“, sagt Financheck-Gründer Moritz Thiele gegenüber Finanz-Szene.de.

Man betreibe die Filiale bereits seit einiger Zeit und teste noch die Resonanz. Die sei immerhin so gut, dass man über weitere Filialen nachdenke.

So sieht die Filiale von Finanzcheck.de in der Hamburger Innenstadt aus. (Foto: Finanzcheck.de)

Wenn man es genauer betrachtet, ist Finanzcheck nicht das erste Unternehmen seiner Art, das mit Filialen (in mehr oder weniger guter Lage) arbeitet. Kreditvermittler Interhyp hat beispielsweise Büros in vielen deutschen Städten in Innenstadtlage, auch wenn diese oftmals nicht in Erdgeschosslage mit Schaufenster zu finden sind. Auch diverse Immobilienmakler, die traditionell schon über Erdgeschossläden in guter Lage verfügen, führen inzwischen einen Großteil ihres Geschäfts über das Internet und erleben den Kunden nur in Ausnahmefällen in ihrem Ladengeschäft.

Nun mögen der Kauf und die Finanzierung einer Immobilie zwar von größerer Tragweite und höherer Beratungsintensität sein als das klassische B2C-Kreditgeschäft, klar ist aber auch: Die Welt ist deutlich digitaler geworden in den letzten Jahren – und das Kundengespräch im Banken- und Versicherungsumfeld hat sich stetig gewandelt: Vieles, was der Mainstream-Kunde früher über seinen Bankberater oder Kreditvermittler erledigen ließ – die Vorinformation, die Angebots- und Konditionssondierung – findet inzwischen tendenziell online statt.

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Online oder Offline: Für ein Fintech ist das zweitrangig

Das Beispiel macht aber deutlich, dass die Kategorisierung Online gegen Offline im E-Commerce und in der Geschäftswelt des 21. Jahrhunderts nicht mehr greift. Der Kunde nutzt sämtliche Touchpoints und trifft Entscheidungen situativ. Ob er dabei, wie Moritz Thiele beschreibt, nur in Ausnahmefällen das persönliche Gespräch sucht oder ob dies eher der erste Anlaufpunkt ist, um überhaupt erst einmal die Dienstleistung kennen zu lernen, hängt sicherlich von Alter und Netzaffinität der Kundschaft ab.

Das ist es wohl auch, was für Finanzcheck.de den Ausschlag gab, eine Filiale in einer solchen Top-Innenstadtlage zu mieten. Man berate, erklärt Moritz Thiele im Interview, täglich gut eine Handvoll Kunden, den Rest der Zeit seien die Mitarbeiter mit telefonischen Anfragen beschäftigt. Doch man wolle, sofern man weitere Filialen eröffnet, diese ebenfalls in den Innenstädten suchen.


Quelle: Die Hölle friert zu: Deutsches Fintech hat erstmals eine Filiale eröffnet

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