Frank Thelen: „Ich hasse ‚kurz rein, raus, Gewinne mitnehmen‘. Das bin ich nicht, das hasse ich“

Zwischen dem bekannten Startup-Investor Frank Thelen und dem VC-Investor Sven Schmidt ist eine öffentliche Schlammschlacht entbrannt. Schmidt warf Thelen vor, sein Krypto-Projekt Neufund sei ein Schneeball-System. Nun äußert sich Frank Thelen erstmals dazu im t3n.de-Interview.

Eigentlich ist Frank Thelen gute Presse gewohnt. Der bekannte Startup-Investor und „Die Höhle der Löwen“-Juror ist unter Journalisten ein gefragter Gesprächspartner. Kürzlich jedoch warf ihm der Wagnikapital-Investor Sven Schmidt in einem Podcast des Fintech-Portals Finance-FWD vor, Werbung für ein Schneeballsystem zu betreiben. Gemeint war das von Thelen erheblich mitfinanzierte Blockchain-Krypto-Startup Neufund.

Schmidt berief sich auf vertrauliche E-Mails von Thelen, wonach dieser bei anderen Investoren um eine Kapitalspritze geworben und im Gegenzug ein „sicheres Investment“ garantiert haben soll. Wer sich früh bei Neufund einkaufe, könne die so günstig erhaltene Kryptowährung der Firma bei einem späteren ICO gewinnbringend verkaufen. Laut Schmidt handele Thelen allein aus der Gier heraus.

Schnell machten die zweifellos harten Anschuldigungen auch bei Twitter die Runde. Nachdem sich Thelen über den Podcast sowie einen entsprechenden Artikel auf Finance-FWD beschwerte, wurden die Inhalte kurze Zeit später gelöscht. Auch Gründerszene berichtete über den Streit. Nun äußert sich erstmals Frank Thelen dazu im Interview mit t3n.de.

t3n.de: Sven Schmidt war ja im Podcast von Finance-FWD und daraus hat sich eine Art öffentliche Schlammschlacht entsponnen. Der Podcast ist inzwischen gelöscht. Was ist da genau passiert?

Frank Thelen: Sven Schmidt hat in dem OMR-Podcast Finance-FWD Anschuldigungen gegenüber Neufund gemacht, die zu weit gingen. Eigentlich ging es um eine allgemeine Kritik an Crowd-Investing. Bei manchen Problemen gebe ich ihm auch Recht. Er hat Neufund aber nur als Crowd-Investing-Plattform gesehen – es ist aber viel mehr, ein Technologieanbieter. Mit Blockchain, in unserem Fall die Ethereum-Plattform, und Smart Contracts ist es die bessere Plattform für den Erwerb von Unternehmensanteilen. Er hat diese zwei Dinge ein bisschen vermischt und dabei etwas viel Gas gegeben, das haben Sven und ich mittlerweile aber persönlich geklärt.

t3n.deSven Schmidt hat ja aus einer E-Mail zitiert. Ist diese E-Mail echt, steht das, was er zitiert hat, wirklich darin?

Dazu will ich erstmal sagen: Ich find es schlecht, dass E-Mails, die vertraulich geschickt werden, einfach so veröffentlicht werden. Das ist generell kein guter Stil in der Szene. Jedes Pitch-Deck, das man schickt, auf dem „vertraulich“ steht, und jede Finanzierungrunde wird vorher geleaked, weil die Leute die Sachen einfach weiterreichen.

Konkret zu dieser E-Mail: Ich habe den Podcast ehrlich gesagt nur überflogen, weil ich gerade so viele Themen habe. Ich kann dazu sagen, dass ich niemals E-Mails geschickt habe, in denen ich irgendeinen Return garantiere. Was ich gemacht habe, war, im Bereich Neufund große Familienunternehmen und auch andere Investoren für die Plattform zu gewinnen, weil ich da langfristig dran glaube.  Das Anreizsystem funktioniert so, dass du einen gewissen Anteil der Kryptowährung Neumark durch das Investment zugewiesen bekommst. Und diese Tokens waren dann mehr wert als das eigentliche Investment, das ist verrückt. Aber das gibt es in der Krypto-Welt – was mit dem Bitcoin-Kurs passiert, ist auch verrückt. Das hat allerdings nichts damit zu tun, dass wir das schnelle Geld machen wollen. Es ist alles öffentlich in der Blockchain: Weder die Investoren noch ich haben bisher auch nur einen Cent aus der Plattform rausgenommen – obwohl wir es könnten. Wir investieren langfristig darin, um ein Technologieunternehmen aufzubauen. Das hat mich so wahnsinnig geärgert, dass dann dieses Geschmäckle rüberkam. „Wir bauen ein Schneeball-System“, hat sogar einer geschrieben. Ein „Ponzi-Scheme“, das ist wirklich falsch.

t3n.de: Sven Schmidt hatte sich dann sieben dieser Firmen angeschaut und seiner Meinung nach ist davon nur eine einzige seriös, nämlich Brille24. Teilweise gäbe es nicht mal ein Impressum auf den Websites. Kannst du dazu was sagen?