Ist es die Angst, die die Deutschen vom Investieren abhält?

Die Deutschen sind Investmentmuffel. Aber warum eigentlich? Was genau hält sie davon ab, mit Investments noch weitaus bessere Renditen zu erzielen, als sie mit dem reinen Sparen je erzielen konnten? Unser Gastautor geht auf Spurensuche.

Blicken wir einmal zurück auf die goldenen 1920er-Jahre, die vor allem in den USA ein absolutes Konjunkturwunder hervorriefen. Über Jahre hinweg gewann insbesondere der Aktienindex des Dow Jones an immer mehr Wert. Leute nahmen euphorisch Kredite auf, um an der Börse ebenfalls von dem Wirtschaftsboom profitieren zu können. Und die Banken machten mit. Gedanken an ein gewisses Spekulationsrisiko suchte man vergebens, weshalb auch niemand die Investmentblase sah, die sich immer weiter aufblähte. Das Ende dieser Geschichte kennen wir. Am Schwarzen Donnerstag brach urplötzlich Panik aus und der Dow Jones zitterte. Am Schwarzen Freitag ging die Nachricht dann um die Welt und läutete, während die Kurse in Amerika praktisch ins Bodenlose fielen, den Beginn der großen Weltwirtschaftskrise ein. Eine Krise, in der viele, viele Menschen alles verloren. Nicht nur ihr Kapital an der Börse, sondern dank der nicht mehr bezahlbaren Kredite noch weitaus mehr.

Und wie wir wissen, sollte es nicht die letzte Wirtschaftskrise sein

Erst vor einer Dekade kam es, ausgelöst durch eine massive Immobilien- und Konsumblase in den USA, zu einer erneuten Krise. Mit Lehman Brothers ging eine ganze Bank unter und rief weltweit ein gewaltiges Echo hervor. So können wir die Folgen der Krise noch heute spüren. Es scheint mehr als sinnbildend zu sein, dass diese Krisen also der Grund für das schwindende Investmentinteresse in Deutschland sind. Immerhin geht aus Statistiken hervor, dass nicht einmal ein Viertel der Deutschen bereit ist, in Aktien, Fonds und Wertpapiere zu investieren. Konservative Anlageformen wie das gute alte Sparbuch oder das neuere Tagesgeldkonto hat dagegen fast jeder. Obwohl sie nachweislich so gut wie keine Zinsen abwerfen.

Ein Rechenbeispiel:

Sowohl Tagesgeldkonten als auch Aktien und Fonds bringen den schönen Effekt des Zinseszinses mit. Das heißt, dass einmal ausgeschüttete Zinsen immer wieder neu mit verzinst werden, bis die Geldanlage aufgelöst oder ein Teil des Kapitals entnommen wird. Und das heißt wiederum, dass der Wert einer Geldanlage durch den Zinseszins irgendwann überproportional ansteigt. Bei Aktien und Fonds im Gegensatz zu Tagesgeldkonten aber weitaus stärker, wie das folgende Rechenbeispiel zeigt. Denn durch die schon jahrelange Niedrigzinspolitik können konservative Geldanlagen nur noch Null-Komma-Zinsen bieten – während Fonds durchschnittlich schon sieben Prozent Zinsen im Jahr bringen und Aktien manchmal sogar noch mehr.

Das macht einen enormen Unterschied aus:

Nehmen wir einmal an, dass wir 10.000 Euro haben und diese anlegen. Einmal auf einem typischen Tagesgeldkonto mit schon überdurchschnittlichen 0,6 Prozent Zinsen. Und einmal in einem Fondssparplan mit durchschnittlichen sieben Prozent Zinsen. Jeden Monat packen wir 100 Euro pauschal dazu und führen das die nächsten fünf Jahre so weiter. Am Ende dieser fünf Jahre stellen wir dann fest, dass die konservative Geldanlage gerade einmal 395 Euro Gewinn gebracht hat. Der Fondssparplan weist dagegen einen Gewinn von 3.333 Euro auf. Ausgabeaufschläge, Verwaltungsgebühren und Steuern sind hier bereits abgezogen.

Dazu kommt, dass insbesondere Fonds gar nicht mal so viel unsicherer sind als konservative Anlagemethoden.

Denn hält man sich von Spekulationsgedanken fern und bringt eine gewisse Zeit und Geduld mit, kann den Fondssparplan so gut wie nichts erschüttern. Vor allem dann, wenn diese Fondssparpläne durch Banken oder noch besser unabhängige Gesellschaften erstellt wurden, die nachfolgend den Markt und dessen Entwicklung im Blick haben. Drohen Kursverluste oder eine Krise, dann ziehen sie das Kapital bestenfalls heraus und parken es für ein erneutes Aufschwung-Investment. Doch selbst wenn man diesen Abzug nicht rechtzeitig schafft, ist die  Sache nur halb so schlimm. Denn Märkte rehabilitieren sich innerhalb von verhältnismäßig kurzer Zeit wieder und werden dann erfahrungsgemäß stärker als je zuvor. Das zeigen einschlägige Entwicklungen. Wer beispielsweise im Jahr 2000 in den DAX investiert hat, kann heute trotz der zwischenzeitlichen Krisen auf eine Durchschnittsrendite von 5 Prozent pro Jahr zurückblicken. Diese Entwicklung ist ein gutes und auch prominentes Beispiel dafür, dass Kursschwankungen von vielen Menschen überbewertet werden.

Und dennoch wehren sich die Deutschen dagegen, bei der Bank oder beim unabhängigen Berater anzurufen und den Investmentschritt zu gehen. Oder Aktien und Fonds gar in die private Altersvorsorge einzuschließen, sofern man denn eine hat.