PR-Coup für neue Produktsparte: Savedroid ist wieder da

Das deutsche Fintech Savedroid, das mit einem großen ICO Aufsehen erregen konnte, war offline. Jetzt ist klar: Es war ein PR-Stunt.

„Wenn die deutsche Nationalmannschaft ein Gegentor kassiert, dann überweise einen Euro auf mein Sparkonto.“ Mit solchen Anweisungen können Nutzer bei Savedroid auf spielerische Art Geld sparen. Nach erfolgreichen Finanzierungsrunden und einem ICO für die Weiterentwicklung und ein Sparbuch für Kryptowährungen gab es am Mittwoch Spekulationen um die Zukunft des deutschen Fintechs. Die Website war etwa einen Tag down, Nutzer bekamen keinerlei Rückmeldung und der Gründer Yassin Hankir schien abgetaucht.

Savedroid-Gründer löst auf: Es war ein PR-Stunt

Knapp einen Tag später löst der Gründer das Rätsel auf: Es handelt sich um einen PR-Stunt, um ein neues Produkt des Startups zu bewerben. In einem Video erklärt Hankir, dass es kein böser Prank sein sollte, sie wollten nur zeigen, dass selbst ein deutsches, reguliertes Unternehmen einfach abtauchen könnte und demonstrieren, wie Scam mit ICO Überhand genommen hat. Bisher sei da auch nur die Spitze des Eisbergs zu sehen, sagt Hankir in seinem Vierminüter und fordert mehr Regulierung von ICO zum Vorteil von Investoren und Unternehmen.

Die erzeugte Aufmerksamkeit will Savedroid für seine neue Produktsparte nutzen: ICO-Beratung. Man stehe gerne Regulations-Behörden zum Austausch zur Verfügung und wolle auch Unternehmen beim Finanzierungsmodell helfen, um Standards für den Markt zu schaffen. Denn ein ICO sei laut Hankir ein gutes Modell, um innovative Startup-Ideen zu finanzieren. Im ersten Schritt seiner neuen Sparte will Savedroid eine kostenlose ICO-Checklist für Gründer veröffentlichen, anhand derer die Finanzierung geplant werden kann. Außerdem soll es ein professionelles Beratungsprogramm geben, in dem Unternehmen individuelle Hilfe bekommen.

Savedroid hatte bei seinem Initial Coin Offering sechs Milliarden Tokens für je einen Euro-Cent ausgegeben. Schätzungsweise zwischen 30 und 40 Millionen Euro könnte das Unternehmen damit eingenommen haben. Über den Token sollten die Transaktionskosten für das Kryptowährungs-Sparbuch finanziert werden.

Beim Aufruf der Savedroid-Website erhielten Nutzer allerdings nur noch ein Southpark-Meme mit dem Text „Aannnd it’s gone“. Jetzt ist die Website wieder erreichbar.

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Kein Hackerangriff, kein ICO-Scam, sondern ein PR-Stunt

Für großes Aufsehen sorgte am Mittwoch vor allem ein Tweet des Gründers. Dort ist er am Flughafen und mit einem Getränk am Strand zu sehen. Dazu schreibt er nur „Thanks guys! Over and out …“. Wie die Wirtschaftswoche unter Berufung auf einen Nutzer berichtet, bekämen diese auch keine Antwort in der Telegram-Support-Gruppe. Das bestätigte Hankir im veröffentlichten Video, Nutzer sollten aber nicht gezielt verärgert werden.

Der Tweet sorgte natürlich auch für Spekulationen, ob sich die Gründer mit dem Geld der Anleger abgesetzt hatten. Erreichbar waren weder das Team noch Hankir für Anfragen unterschiedlicher Medien.

Die andere mögliche Erklärung, ein Hackerangriff, ist damit ebenso vom Tisch. Dann allerdings hätte sich das Savedroid-Team wahrscheinlich bemüht, über andere Kanäle darüber aufzuklären. Fraglich bleibt, wie sinnvoll der PR-Coup ist. Eine vertrauensschaffende Maßnahme gegenüber Investoren und Nutzern sieht anders aus.

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Update: Die erste Version des Artikels erschien am 18.04.2018.


Quelle: PR-Coup für neue Produktsparte: Savedroid ist wieder da

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