Taugt die Blockchain für die Marktforschung? Transparenz durch die Kette

In der Marktforschung ist das Thema Blockchain zwar noch nicht so richtig angekommen. Aber ein Anfang ist gemacht und Anwendungsfälle sind zumindest denkbar. Eine kleine Revolution steht an.

„Wenn wir nicht aufpassen, hinkt Deutschland bei dieser revolutionären Entwicklung wieder hinterher“, sorgt sich Klaus Holthausen, Berater von Data Sience Consulting, und das, „obwohl die Grundlagen hier erforscht wurden. Die kryptografische Kette wurde erstmals in einer Diplomarbeit von Stefan Konst im August 2000 beschrieben; und zwar an der Technischen Universität Braunschweig.“

Heute liegen die Hotspots für Anwendungen der Blockchain zum Beispiel in Vizag und in Zug. Während Zug bei Zürich als Crypto-Valley bezeichnet wird und zahlreiche Startups beheimatet, die im Schatten der Berge an Anwendungen der neuen Technologie basteln, zögert die deutsche Finanzüberwachung Bafin, Kryptowährungen wie den Bitcoin zu regulieren und damit anzuerkennen. In der Schweiz findet derzeit ein Blockchain Summit nach dem anderen statt, man kann im Stadtgebiet Zürich die Bitcoins an Automaten kaufen und an 190 Stellen – vom Supermarkt bis zum Restaurant und sogar bei der Verwaltung der Stadt Zug – auch ausgeben.

In Vizag hingegen, der Hauptstadt des Bundesstaates Andhra Pradesh in Indien, wird die Blockchain anders umgesetzt: Der gesamte Landbesitz der Gegend wurde digitalisiert und zentral aufgenommen, es wurde auch registriert, welche Fahrzeuge wem gehören. Weitere Projekte sind im Bereich Logistik und Finanzen sowie für die Nutzung für die kommunale Verwaltung geplant. In einem komplexen Land kann die Blockchain für Transparenz sorgen.

Die Blockchain halten viele neben künstlicher Intelligenz für eine der vielversprechendsten Zukunftstechnologien. Sie verspricht Transparenz und gleichzeitig maximale Anonymität für die Nutzer, Zugang zu einem riesigen Datenschatz und Sicherheit vor Hacker-Angriffen. Die bekannteste Anwendung der Blockchain ist derzeit die Kryptowährung Bitcoin. Aber wenn man etwas tiefer eintaucht in die Blockchain-Welt, sind Anwendungen in allen Branchen denkbar, auch in der Marktforschung.

Digitale Protokolle ersetzen Vertrauen zwischen Partnern

„Eine fantastische Kette des Vertrauens“ nannte die britische Wirtschaftszeitschrift The Economist die Blockchain-Technologie und das Paradoxe daran ist, dass Vertrauen mit dieser Technologie eigentlich überflüssig wird.

Wer in einem kleinen Dorf lebt und in der Kneipe den Bierdeckel nicht bezahlt, der wird schnell als unzuverlässig und nicht vertrauenswürdig abgestempelt. Niemand würde so jemandem Geld leihen. Aber die Welt ist längst kein Dorf mehr und an die Stelle der kontrollierenden Dorfgemeinschaft sind vertrauenswürdige Mittelsmänner getreten, etwa Banken oder Plattformen wie Airbnb oder Uber, die garantieren, dass eine Person kreditwürdig oder so verantwortungsbewusst ist, dass man ihr seine Wohnung anvertrauen kann. Sie nutzen Schufa-Einträge oder Bewertungen derjenigen, die mit den Personen bereits ein Geschäft gemacht haben, um dieses Vertrauen zu vermitteln.

In einer Blockchain-Welt wird beides nicht mehr nötig sein, weder der Intermediär, die Bank oder Plattform, noch das Vertrauen. Denn Transaktionen werden sicher – so die Theorie – und in einer digitalen Form kehren wir wieder in das Dorf zurück, in dem etliche Nachbarn bezeugen, dass der A dem B einen Hunderter gegeben hat.

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Mit Smart Contracts zu mehr Transparenz

Weil es aber nicht nur um Geld geht und um einfache Transaktionen von A an B, sondern in der Blockchain auch komplizierte Verträge automatisiert abgewickelt werden können, ragt die Bedeutung dieser Technologie weit über die Finanzwelt hinaus. Die Rede ist von Smart Contracts, die etwa in der etwas weniger bekannten Blockchain-Anwendung Ethereum möglich sind. Smart Contracts sind beliebige Verträge, die selbstständig ausgeführt werden können. Sie versprechen eine höhere Vertragssicherheit bei gleichzeitiger Reduktion der Transaktionskosten. Bestellungen werden automatisch bezahlt, wenn sie angekommen sind, Versicherungen zahlen umgehend aus, wenn der Nachweis für den Schaden erbracht wird.

Es sind aber auch kompliziertere Konstruktionen denkbar. Holthausen, der sich bereits seit Jahren mit der Blockchain beschäftigt, berichtet von solchen Beispielen: Eine empfindliche Fracht wird auf hoher See mit Schüttelsensoren ausgestattet und wenn diese dreimal aktiviert werden, verlängert sich die Garantie automatisch um drei Monate. Oder man kauft die Lizenz für ein Fußballspiel im Fernsehen und wenn Mannschaft A gewinnt, wird dieses um einen Dollar teurer. Die neuseeländische Molkereigenossenschaft Fonterra hat mit Hilfe von SAP bereits die gesamte Wertschöpfungskette für ihre Milchprodukte mit der Blockchain transparent gemacht. Dort ist hinterlegt, von welcher Kuh die Milch stammt, wo diese pasteurisiert, mit welchem Lkw sie transportiert und wann sie wo zu Joghurt verarbeitet wurde. Der Logistikkonzern Mærsk und IBM wollen ein Joint Venture gründen, das eine Beschleunigung und Absicherung internationaler Lieferketten mit Hilfe einer Blockchain-Plattform anbietet. Damit sollen nicht nur alle Beteiligten wissen, wo sich die Fracht derzeit aufhält, sondern auch alle Papiere in Zusammenhang mit der Transaktion digitalisiert vorliegen.

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