Zu viel Stress im Amazon-Lager: Mitarbeiter pinkeln angeblich in Flaschen

Einem britischen Journalisten zufolge sollen die Arbeitsbedingungen bei Amazon sehr hart sein. Aus Stress würden Mitarbeiter in Flaschen pinkeln. Amazon bestreitet die Vorwürfe.

Berichte über harte Arbeitsbedingungen in den Lagern des E-Commerce-Riesen Amazon gab es schon öfter. Ende 2016 etwa schrieb eine schottische Tageszeitung, dass mehrere Mitarbeiter direkt neben den Lagerhallen campierten, weil sie sich wegen des geringen Gehalts das tägliche Pendeln nicht leisten könnten. Jetzt hat der britische Journalist James Bloodworth in einem Buch behauptet, dass die Arbeitskultur in einem Lagerhaus von Amazon ihn an ein Gefängnis erinnert habe.

So hätten Mitarbeiter aus Angst vor Bestrafung auf einen Klogang verzichtet und lieber in Flaschen gepinkelt. Während einer Zehnstundenschicht habe es nur 15 Minuten Mittagspause gegeben. Die Mitarbeiter fürchteten Strafpunkte, wenn sie bestimmte Ziele nicht erreichten. Bloodworth selbst habe für eine Krankmeldung, obwohl rechtzeitig erfolgt, einen Strafpunkt erhalten. Ab sechs Strafpunkte drohe die Kündigung, wie der Standard schreibt. Bloodworth hatte 2016 als sogenannter Picker in einem Amazon-Lagerhaus gearbeitet, wo er die Produkte für Kundenbestellungen zusammensuchen musste.

Amazon-Lager: Mitarbeiter sollen angeblich Angst haben, aufs Klo zu gehen

Einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Studie der Plattform Organise zufolge sollen fast drei Viertel der Mitarbeiter in britischen Amazon-Lagerhäusern Ähnliches erlebt haben. Auch sie sollen Angst davor gehabt haben, auf die Toilette zu gehen, weil ihnen Bestrafung drohen würde. Die Anforderungen seien enorm gestiegen, klagte etwa ein Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, schreibt Businessinsider. Insgesamt wurden für die Studie 241 Amazon-Angestellt in England interviewt.

Harte Arbeitsbedingungen? Amazon-Verteilzentrum im britischen Leeds. (Foto: James W Copeland/Shutterstock.com)

Dass es Strafpunkte für Krankheitstage bei Amazon gegeben haben soll, hatte schon die Times 2016 enthüllt. Ein Jahr zuvor hatte der Guardian zu den Arbeitsbedingungen bei einem Amazon-Partner recherchiert. Bloodworth hatte nicht nur bei Amazon gearbeitet, um sich die Arbeitsbedingungen dort anzuschauen, sondern auch bei Uber und in Pflegeeinrichtungen. Sein Buch „Hired: Six Months Undercover in Low-Wage Britain“ ist am 1. März bei Atlantic Books erschienen.

Amazon hat übrigens in einem längeren Statement gegenüber Businessinsider die Vorwürfe Bloodworth‘ bestritten. Amazon liefere einen sicheren und positiven Arbeitsplatz für Tausende Menschen in Großbritannien mit einer wettbewerbsfähigen Bezahlung und zusätzlichen Leistungen vom ersten Tag an. Die Bedingungen, die vor zwei Jahren herrschten, hätten sich mittlerweile geändert. Ein Punktesystem für krankheitsbedingte Abwesenheiten gebe es nicht. Mitarbeiter könnten auf die Toilette gehen.

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Quelle: Zu viel Stress im Amazon-Lager: Mitarbeiter pinkeln angeblich in Flaschen

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